Das Gesundheitssystem in Shanghai

09.01.11

Das Gesundheitssystem in Shanghai unterscheidet sich grundlegend von dem in westlichen Ländern. So hat neben der bei uns verbreiteten Schulmedizin die traditionelle chinesische Medizin immer noch große Bedeutung.

Wer in Shanghai krank ist geht nicht unbedingt zu einem Doktor oder ins Krankenhaus, sondern lässt sich eventuell lieber von seinem Heiler behandeln. Verbreitete Methoden sind unter anderem Akupunktur, Moxibustion (Behandlung mit Wärme), Massagen wie Shiatsu und Bewegungsübungen wie Qigong. Diese Behandlungsmethoden haben auch schon in die die westliche Naturheilpraxis Eingang gefunden. Umstritten ist hingegen die Behandlung mit Placebo-Pillen, verschiedenen Kräutern und Wurzeln, die teilweise auf über Generationen überlieferten Aberglauben beruhen.

Krankenversicherungen sind bei Chinesen mit geringem Bildungsstandard nicht hoch angesehen. Ihr Nutzen wird angezweifelt und viele versuchen die Beitragszahlung zur gesetzlich vorgeschriebenen Krankenversicherung zu umgehen. Die Beiträge sind zwar, um die Akzeptanz von Krankenkassen in der Bevölkerung zu erhöhen, relativ niedrig. Dafür muss der Patient bei den meisten Behandlungen aber zuzahlen.

Die Schulmedizin hat auch deshalb einen schweren Stand in Shanghai, da ein gewisses Misstrauen gegenüber Ärzten herrscht. Dieses ist teilweise auch berechtigt, da immer wieder Fälle aufgedeckt werden, in denen Ärzte unnötige Behandlungen durchführen, die den Patienten teilweise sogar eher schaden als ihnen zu helfen – nur um Behandlungskosten abkassieren zu können. Also vertraut man sich lieber dem Familienältesten oder einem Wunderheiler an, was im Notfall natürlich schnell fatale Folgen haben kann.

Mit dem Einzug westlicher Werte in Shanghai wird jedoch auch die westliche Schulmedizin immer beliebter, so bestellen zum Beispiel immer mehr Chinesen ihre Arzneimittel in einer Apotheke Online. Es gibt internationale Krankenhäuser privater Betreiber in Shanghai, die auf dem neusten Stand der Technik sind und in denen das Personal fließend Englisch spricht. Diese sind aber im Vergleich zu den staatlichen Krankenhäusern sehr teuer und bleiben daher meist Ausländern und wohlhabenden Chinesen vorbehalten. Die chinesischen Krankenkassen übernehmen solche Behandlungen nicht, wohl aber die meisten deutschen Auslandskrankenversicherungen. Wer also in Shanghai krank wird, sollte in ein internationales Krankenhaus gehen, da dort eine Behandlung nach westlichen Standards gewährleistet ist. In den dortigen Apotheken sind auch alle verbreiteten Medikamente erhältlich.

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